• Kapitel 2: Alarmierende Warnzeichen, um die Menschheit wachzurütteln > I. Die Situation ist schlimmer als das Worst-Case-Szenario

      • I. Die Situation ist schlimmer als das Worst-Case-Szenario


        Der gegenwärtige Verlauf des Klimawandels ist schlimmer als das Worst-Case-Szenario, das der UN-Klimarat (IPCC) vorausberechnet hat. Das ist bereits erkennbar an den verheerenden und oft tödlichen Auswirkungen solch extremer Ereignisse wie Hurrikane, Überschwemmungen, Dürreperioden und Hitzewellen.

        Selbst wenn die Welt den Treibhausgasausstoß reduziert, wird die Erde Zeit brauchen, um sich von den bereits in der Atmosphäre befindlichen Gasen zu erholen.

        Deshalb ist es notwendig, sich auf kurzlebige Gase wie Methan zu konzentrieren. Methan hält im Durchschnitt über einen Zeitraum von 20 Jahren mindestens 72-mal so viel Wärme zurück wie CO2. Am meisten Methan entsteht durch die Massentierhaltung, die in der Tat eine der Hauptursachen für die globale Erwärmung ist und gestoppt werden muss.

        Doch gestatten Sie mir zuerst, Ihnen die neuesten Belege für die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben von Mensch und Tier vorzulegen.


        Das Eis der Arktis und der Antarktis schmilzt


        Das Abschmelzen des arktischen Eises

        Die Arktis, also der Nordpol, wird vielleicht schon 2012 eisfrei sein, 70 Jahre früher als nach den Schätzungen des Weltklimarates. Ohne das schützende Eis, das das Sonnenlicht zurückwirft, können 90 % der Sonnenwärme in das offene Wasser eindringen und so die globale Erwärmung beschleunigen.16

        Die Veränderung der arktischen Eisdecke ist dramatisch. Die Klimatologen sagen, dass heute nur mehr 10 % aus älterem und dickem Eis bestehen, während 90 % neu gebildetes und dünnes Eis sind.17

        Die „Rückkopplungsschleife“ und die unaufhaltsame globale Erwärmung

        Wenn das Meerwasser wärmer ist, dann schmilzt das Eis schneller. Und wenn das Eis einmal geschmolzen ist, wird die Wärme nicht mehr ins All zurückreflektiert. Deshalb wird die Wärme auch das Eis zum Schmelzen bringen und das Wasser weiter erwärmen. Und beides wird dazu beitragen, dass noch mehr Eis schmilzt und sich die Erde noch stärker erwärmt. Sie erkennen den Teufelskreis.

        Bisher konnten die Wissenschaftler keine sehr genauen Voraussagen machen, aber jetzt sind sie sehr wachsam. Jetzt haben sie ein kritisches Auge auf diesen Sachverhalt. Das Schlimme daran ist nur, dass wir nicht schnell genug handeln.18


        Quelle: Nationales Schnee- und Eis-Datenzentrum (NSIDC),
        http://nsidc.org/arcticseaicenews



        In Grönland und in der Antarktis schmilzt das Eis

        Da auch die massiven Eisflächen in Grönland und der Antarktis weiter schmelzen, werden als Folgeerscheinung ein katastrophales Ansteigen des Meeresspiegels und heftigere Stürme erwartet. Wenn die Eisfläche in der westlichen Antarktis komplett abschmilzt, wird der Meeresspiegel weltweit im Durchschnitt um 3,3 bis 3,5 Meter19 ansteigen; davon werden über 3,2 Milliarden Menschen betroffen sein – und das ist die Hälfte der Weltbevölkerung –, die innerhalb einer 200-Meilen-Zone von der Küste entfernt wohnen.

        Die Wissenschaftler des Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrums (National Snow and Ice Data Center) in den USA sagen heute, dass der Meeresspiegel im Falle des Abschmelzens der gesamten Antarktis bald höher ansteigen könnte als erwartet, einige sprechen sogar von bis zu 70 Metern; das bedeutet eine noch größere Bedrohung für alles Leben auf dem Planeten.20

        • Land unter und Klimaflüchtlinge

        Infolge des Anstiegs des Meeresspiegels gehen jetzt in diesem Augenblick Inseln unter; Tuvalu, Tonga und etwa 40 weitere Inselstaaten müssen die Auswanderung ihrer ganzen Einwohnerschaft planen.

        In einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) heißt es, dass es bis 2050 oder zumindest noch zu unseren Lebzeiten womöglich 200 Millionen oder sogar bis zu einer Milliarde Klimaflüchtlinge geben wird.21 Das sind Menschen, die ihre Insel oder ihr Zuhause am Meer verlassen müssen, weil der Meeresspiegel steigt oder der Permafrost auftaut, sodass ganze Gemeinden oder Nationen im Meer versinken und untergehen.22

        (Daten über den Anstieg des Meeresspiegels und seine Auswirkungen weltweit siehe auch Anhang 1.)

        Voraussagen zum Anstieg des Meeresspiegels
        Quelle: Vierter Sachstandsbericht des IPCC,
        http://www.de-ipcc.de/de/174.php



        Methanhydrat: eine tickende Zeitbombe

        Eine weitere Veränderung in der Arktis ist das Auftauen des Permafrostbodens, einer normalerweise gefrorenen Erdschicht, in der Methan gespeichert ist [Methanhydrat]. Das Auftauen dieser Schicht in den letzten Jahren hat zur Freisetzung von Methan geführt, sodass die Methankonzentration in der Luft seit 2004 enorm gestiegen ist.23

        Bei einem weiteren Anstieg der globalen Erderwärmung über zwei Grad Celsius hinaus könnten weitere Milliarden Tonnen Methan [Methanhydrat vom Meeresboden] in die Atmosphäre freigesetzt werden, was zu einem Massensterben allen Lebens auf der Erde führen würde.

        „Ein Temperaturanstieg von nur einigen Grad würde zur Folge haben, dass sich diese Gase verflüchtigen und so ähnlich wie ‚Rülpser‘ in die Atmosphäre entweichen, wodurch die Temperaturen weiter ansteigen würden, sodass noch mehr Methan freigesetzt würde, was Land und Meer weiter aufheizen würde und so weiter. In der gefrorenen arktischen Tundra sind 400 Gigatonnen Methan eingeschlossen – genug, um diese Kettenreaktion zu starten … Einmal ausgelöst, könnte dieser Kreislauf zu einer unaufhaltsamen globalen Erwärmung führen.“24
        – John Atcheson, Geologe

        Nicht nur der steigende Wasserspiegel ist besorgniserregend, sondern auch das Gas: der Schwefelwasserstoff und das Methan und allerlei Gase im Meer.25 Und wenn das Methan aus dem Permafrostboden etc. entweicht, und auch aus dem Meer, und auch infolge der ganzen Nutztierhaltung, der Tierzucht, dann wird noch mehr Eis schmelzen. All das summiert sich und wird sich sehr lange in der Atmosphäre halten.

        Wenn wir den Punkt erreicht haben, an dem es kein Zurück mehr gibt, dann wird es bergab gehen; dann ist nichts mehr zu ändern. Dann kann uns nichts mehr helfen. Und dann wird es keine Überlebenden mehr geben, oder nur ganz wenige.

        Wenn der Planet einmal zerstört ist, wird er aussehen wie der Mars – unbewohnbar. Und es dauert Millionen Jahre, manchmal Hunderte von Millionen Jahren, bis ein Planet sich erholt, wenn er sich überhaupt erholt.

        Je schneller wir etwas ändern, umso besser, dann können wir den Klimawandel aufhalten. Und wir können die Erde sehr schnell, im Handumdrehen, wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen.
        Tun wir das aber nicht, wird die Erde auch sehr schnell, im Handumdrehen, zerstört sein.



        Rückzug der Gletscher und Wasserknappheit


        Die Auswirkungen des Gletscherschwunds

        Die meisten Gletscher der Erde werden innerhalb einiger Jahrzehnte verschwunden sein, wodurch das Überleben von mehr als zwei Milliarden Menschen auf dem Spiel steht. Eine Milliarde dieser Menschen wird die Auswirkungen des Rückzuges der Himalaja-Gletscher zu spüren bekommen; dieser Rückzug geht schneller als irgendwo anders auf der Welt vonstatten: Zwei Drittel der mehr als 18.000 Gletscher in der Region tauen ab.26 Die anfänglichen Auswirkungen der Gletscherschmelze sind vernichtende Überschwemmungen und Erdrutsche. Mit dem weiteren Fortschreiten der Gletscherschmelze gehen geringere Niederschlagsmengen, verheerende Dürreperioden und Wasserknappheit einher.27

        Der katastrophale Zustand der Gletscher weltweit

        Es wird erwartet, dass die berühmten Gletscher des Glacier-Nationalparks im Staate Montana [USA] innerhalb von zehn Jahren verschwunden sein werden.28 Der Colorado River [der von der Schneeschmelze abhängt und sieben Staaten im Westen mit Wasser versorgt] ist im Austrocknen begriffen.29

        70 % aller Anden-Gletscher befinden sich in Peru. Die Berggipfel machen die Versorgung der Bevölkerung des Landes sowohl mit Wasser als auch mit Strom aus Wasserkraft möglich. Man erwartet, dass alle diese Gletscher bis 2015 verschwunden sein werden, also innerhalb weniger Jahre.30

        (Für weitere Informationen über den Rückzug der Gletscher weltweit siehe Anhang 2.)


        Überfischung, Totzonen und Übersäuerung des Ozeans


        Die Pew-Kommission in den USA hat herausgefunden, dass die Überfischung die größte Bedrohung der maritimen Ökosysteme darstellt, gefolgt von landwirtschaftlichen Abwässern, einschließlich Gülle und Düngemitteln, die beim Futtermittelanbau verwendet werden.31

        Der Klimawandel ist verantwortlich für die Entstehung von Meeresgebieten, die als Totzonen bekannt sind und von denen es heute bereits mehr als 400 gibt. Diese [Totzonen] entstehen durch die Einleitung von Dünger, der hauptsächlich aus der Nutztierhaltung stammt und zu einem Mangel an lebenswichtigem Sauerstoff führt.32

        Durch die Rote Flut (Algenblüte) verseuchtes Wasser, die Ursache für Totzonen am Strand von Copacabana, Rio de Janeiro, Brasilien.

        Wissenschaftler schätzen, dass in den letzten 50 Jahren aufgrund des kommerziellen Fischfangs mehr als 90 % der großen Meeresfische verschwunden sind.33

        Sie haben davor gewarnt, dass bei der gegenwärtigen Fischfangquote bis zum Jahr 2050 ein weltweiter Kollaps aller befischten Meerestierarten eintreten wird, und sagen, dass sofortige Maßnahmen zur Erholung des Fischbestandes unternommen werden müssen.34

        Datenquelle: B. Worm et al.: „Accelerating Loss of Ocean Species Threatens Human Well-being“, in: Science, 3. November 2006,
        http://www.fmap.ca/ramweb/media/biodiversity_loss/WormEtAlSciencePR.pdf

        Das Fehlen bestimmter Fische hat zu einem höheren Säuregehalt geführt, der seinerseits die Fähigkeit des Meeres, CO2 zu absorbieren, verringert.

        Durch die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen werden die Wale und Delfine vertrieben; sie ersticken dadurch. Sie sterben an den Stränden, manchmal Hunderte von ihnen gleichzeitig, weil sie diese toxischen Bedingungen im Meerwasser nicht mehr ertragen.35


        Extreme Wetterbedingungen


        In den letzten zehn Jahren haben wir mindestens zweimal die heißesten Jahresdurchschnittstemperaturen erlebt, die jemals in der Geschichte unseres Planeten gemessen wurden. 2003 wurde Europa von einer Rekordhitzewelle heimgesucht, die Zehntausende von Menschenleben forderte. Auch den schlimmsten Buschbränden in der Geschichte Australiens gingen Hitzewellen voraus.36

        Der Bundesstaat Puebla [in Mexiko] hat im Laufe der letzten Jahre immer mehr Waldbrände erlebt, die Niederschlagsmengen haben sich um 200 Liter pro Quadratmeter verringert; die Temperaturen sind im Jahresdurchschnitt auf 17,5 Grad Celsius gestiegen. Auch die Wintertemperaturen sind heute höher als normal.

        In den letzten fünf Jahren [2003-2007] erlebte Peru mindestens dreimal extreme Temperaturereignisse sowie Überschwemmungen, von denen mehr als 500.000 Menschen betroffen waren. Innerhalb von nur 30 Jahren hat die Zahl der Überschwemmungen um 60 % zugenommen und die Zahl der Schlammlawinen um 400 %.37 [Der peruanische] Präsident Garcia rief 2009 aufgrund der bitteren Kälte und der eisigen Wetterbedingungen in den Anden, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind und den Tod von fast 250 Kindern verursachten sowie zu Erkrankungen vieler weiterer Kinder führten, den Notstand aus.38

        (Für aktuelle Daten über extreme globale Wetterbedingungen siehe auch Anhang 3.)

        „Das Klima lässt sich nicht nur über die Durchschnittstemperaturen und die Niederschläge definieren, sondern auch durch die Art, Häufigkeit und die Intensität von Wetterereignissen. Der von Menschen verursachte Klimawandel hat das Potenzial, die Häufigkeit und die Intensität von extremen Wetterbedingungen wie extremen Hitzewellen, Kältewellen, Stürmen, Überschwemmungen und Dürreperioden zu verändern.“39
        – United States Environmental Protection Agency


        Häufigere Naturkatastrophen


        Dürre, Wüstenbildung und Buschbrände

        Nach Angaben der Vereinten Nationen beeinflusst die Wüstenbildung, die oft durch das Abholzen zu vieler Bäume und durch die Folgeschäden der Weidewirtschaft mit Rindern auftritt, das Wohlergehen von mehr als 1,2 Milliarden Menschen in mehr als 100 gefährdeten Ländern.40

        Auch wertvolle Frischwasservorräte trocknen aus, zum Beispiel Grundwasserschichten unter Großstädten wie Peking, Delhi, Bangkok und in Dutzenden anderen Regionen, wie dem Mittleren Westen der USA, während der Ganges, der Jordan, der Nil und der Jangtsekiang einen großen Teil des Jahres nur mehr Rinnsale sind.

        Die schlimmste Dürre in China seit 50 Jahren [im Jahr 2009] führte in mindestens zwölf nördlichen Provinzen zum Ausfall von lebenswichtigen Ernten, was den Staat Milliarden von US-Dollar an Hilfsgeldern für die geschädigten Bauern kostete.41

        Im Jahr 2009 führte die Dürre in Nepal und in Australien zu erheblich heftigeren Buschbränden.42 In Afrika wurde das Leben der Menschen in Somalia, in Äthiopien und im Sudan, um nur einige Länder zu nennen, durch die Dürre stark betroffen.

        Forscher sagen, dass der Westen der USA einer verheerenden Dürrekrise entgegengeht, da der schmelzende Schnee aus den Bergen riesige Wasserreservoirs entweichen lässt.

        (Für Informationen über große globale Katastrophen wie Dürre und Waldbrände siehe Anhang 4.)

        Zunehmende Häufigkeit von Stürmen und Überschwemmungen

        Es fällt auf, dass die Intensität und Dauer von Hurrikanen und tropischen Stürmen im Laufe der letzten 30 Jahre um 100 % zugenommen hat. Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA sagen, dass dies wahrscheinlich auf den klimabedingten Anstieg der Meerwassertemperaturen zurückzuführen ist.

        Forscher am Georgia Institute of Technology, USA, haben mitgeteilt, dass sich die Zahl der Hurrikane der Kategorie 4 und 5 in den vergangenen 35 Jahren verdoppelt hat. In großen Städten richten Stürme der Kategorie 5 die größten Zerstörungen an. Auch ihre Intensität und Dauer ist seit den 70er-Jahren um 75 % gestiegen.

        Einer dieser Stürme, dessen Folgen noch heute zu sehen und zu spüren sind, war im Jahre 2005 der Hurrikan Katrina, der insbesondere Teile von New Orleans verwüstete. Noch heute sind die Menschen damit beschäftigt, ihre Häuser wieder aufzubauen und ihr Leben zu normalisieren.

        Die Wetter- und Ozeanographiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) hat festgestellt, dass 2008 zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen sechs tropische Wirbelstürme in Folge über das Binnenland der USA hereinbrachen.

        Der Nordatlantik und der Indische Ozean sind die beiden Gebiete, wo die stärksten Hurrikane am wahrscheinlichsten sind.

        (Für Daten zu den größten globalen Flutkatastrophen siehe auch Anhang 5.)

        Humanitäre Hilfe der Internationalen Vereinigung der Höchsten Meisterin Ching Hai in Pakistan, 2010


        Humanitäre Hilfe der Internationalen Vereinigung der Höchsten Meisterin Ching Hai in Haiti, 2010

        Erdbeben

        Wissenschaftler haben entdeckt, dass Erdbeben und globale Erwärmung in Zusammenhang stehen. Denn da das Eis an den Polen und unter Grönland schmilzt, verschiebt sich der Druck auf die Erdplatten, was Verwerfungen auslösen und Erdbeben verursachen kann.

        Eine der tragischsten Katastrophen unserer Zeit war der [von einem Erdbeben verursachte] Tsunami, der 2004 [über Indonesien] hereinbrach und über das indonesische Volk und die Menschen auf der Welt so viel Leid brachte.

        (Zu neuesten Daten über globale Erdbebenkatastrophen siehe Anhang 6.)

        Insektenplage

        In den USA sind fast eine Million Hektar Kiefernwald in den Rocky Mountains durch Insektenbefall infolge der Erderwärmung verloren gegangen. Ähnlich sieht es in Kanada aus.


        Abholzung der Wälder


        Der Regenwald ist die Lunge unseres Planeten. Infolge der Baumrodung und der Austrocknung der exponierteren Pflanzen wird kein CO2 mehr absorbiert, sondern sogar freigesetzt. Das ist eine weitere Gefahr, der wir uns gegenübersehen.

        In Brasilien wurden 90 % des seit 1970 entwaldeten Gebietes in Viehweiden oder in Flächen zum Anbau von Futtermitteln umgewandelt.43 Jetzt in diesem Augenblick werden mit einer Geschwindigkeit von 36 Fußballfeldern pro Minute üppige Wälder in unfruchtbare Felder umgewandelt.44

        Und im südlichen Mexiko wurden tropische Wälder, die einst den halben Staat Tabasco bedeckten, auf weniger als 10 % ihrer ursprünglichen Größe reduziert. Gleichzeitig wurden die Rinderweiden auf 60 % der Gesamtfläche des Bundesstaates ausgeweitet.45

        Auch in Ländern wie Argentinien und Paraguay werden für die Viehzucht und den Soja-Anbau immer mehr Bäume gefällt. Argentinien hat 70 % seiner ursprünglichen Wälder verloren.46

        Indonesien besitzt den drittgrößten Regenwald der Welt – an dritter Stelle nach dem Amazonas und dem Kongo. Und doch geht der [indonesische] Regenwald mit alarmierender Geschwindigkeit verloren. Jede Minute verschwindet eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes. Die Vereinten Nationen sagen, dass 98 % des gesamten Waldes in nur 15 Jahren verschwunden sein könnten.47

        Allein das im Amazonas-Regenwald gebundene CO2 übersteigt die Gesamtmenge der von Menschen in zehn Jahren produzierten Treibhausgase. Dazu kommt, dass wir beim Abbrennen der Wälder schwarzen Kohlenstoff freisetzen – Rußpartikel, die 680-mal mehr Wärme einfangen als die gleiche Menge CO2.48


        Verlust der Artenvielfalt


        Führende Ökologen sagen, dass der Rückgang der Wildtierpopulation infolge des Artensterbens so schnell vor sich geht, dass wir keine modernen Vergleichsdaten haben. Die Wissenschaftler sagen heute auch voraus, dass die 16.000 gefährdeten Arten 100-mal schneller aussterben könnten als bisher vermutet.

        „Der bedeutende Harvard-Biologe Edward O. Wilson und andere Wissenschaftler schätzen, dass die Extinktionsrate in Wirklichkeit eher 1000- bis 10.000-mal höher ist als früher. Täglich verschwinden zwischen 2,7 und 270 Tierarten.49
        – Julia Whitty

        „In diesem Jahrhundert werden wahrscheinlich 20-40 % der lebenden Organismen auf der Erde allein infolge der globalen Erwärmung aussterben, wobei andere Faktoren noch nicht berücksichtigt sind.“50
        – Weltklimarat (IPCC)


        Wasserknappheit


        Schwindende Wasservorräte haben zunehmend zu Spannungen, ja sogar zum Ausbruch von Konflikten zwischen den Menschen geführt, die nicht genug Wasser haben oder um ihren Anteil kämpfen, unter ihnen auch benachteiligte Bauern.

        Auf der ganzen Welt trocknen Zehntausende von Flüssen und Seen aus. Dürreperioden fordern Menschenleben. Die Menschen verlassen ihre Dörfer, ihre Heimatstädte, weil sie kein Trinkwasser mehr haben.51

        Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem, gesundheitlich unbedenklichem Wasser. Und 1,8 Millionen Kinder sterben jährlich an Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser verursacht wurden.52


        Nahrungsmittelknappheit


        Nach einer Verlautbarung der Vereinten Nationen wird in der Welt heute – im Jahr 2009 – die größte Zahl an Hungernden seit vier Jahrzehnten verzeichnet. 1,02 Milliarden Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen.53

        In Peru sind infolge großer Hitze und Trockenheit während der letzten zwölf Jahre 140.000 Hektar Kartoffeln und Mais vernichtet worden – eine Menge, von der elf Millionen Menschen hätten satt werden können.

        In Afrika erleben Simbabwe, Somalia, Mauritius, Mosambik und Sudan – um nur einige zu nennen – verstärkt Dürreperioden, die den Anbau erschweren und so zu Nahrungsmittelknappheit und steigenden Preisen beitragen.

        Dazu kommen Wüstenbildung und Entwaldung, sodass sich die Qualität der Böden weiter verschlechtert. Steigende Temperaturen bedeuten schwankende Niederschlagsmengen – einmal zu wenig und einmal zu viel –, sodass wir verheerende Überschwemmungen haben, die die Ernten unter Wasser setzen, und Brände, die die Wälder vernichten.

        Diese Auswirkungen des Klimawandels verstärken die Unsicherheit auf dem Nahrungsmittelmarkt und die Nahrungsmittelkrise.

        (Für weitere Daten zum Klimawandel und die weltweite Nahrungsmittelknappheit siehe Anhang 7.)


        Menschliche Gesundheit


        Die Menschen leiden unter dem Klimawandel

        Forschungsergebnisse aus der Schweiz besagen, dass der Klimawandel bereits 315.000 Menschenleben pro Jahr fordert und weitere 325 Millionen Menschen davon schwer in Mitleidenschaft gezogen werden.54 Dies geht einher mit finanziellen Verlusten von 125 Milliarden USD pro Jahr.55 Am schlimmsten betroffen sind die Entwicklungsländer in Afrika sowie andere äußerst gefährdete Regionen in Südasien und kleine Inselstaaten.

        Und 99 % der Menschen, die durch Naturkatastrophen ihr Leben verlieren, leben in Asien.

        Durch Insekten verbreitete Krankheiten

        Moskitos, die das Dengue-Fieber verursachen, wurden zum ersten Mal in Piura [Peru] gesichtet; infolge des Klimawandels erobern sie neue Lebensräume.56

        Es besteht generell ein größeres Krankheitsrisiko, zum Beispiel für Malaria, da sich die Moskitos mittlerweile auch in höher gelegenen Gebieten ausbreiten. Die Vereinten Nationen befürchten, dass Hunderte Millionen von Menschen in Afrika gefährdet sind.57

        (Für Auszüge aus „Six Degrees: Our Future on a Hotter Planet“ von Mark Lynus siehe Anhang 8.)

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